Die Bonität des Emittenten
spielt bei Zertifikaten eine entscheidende Rolle
Lange Zeit war das Thema Emittentenbonität bei Anlegern eher unbedeutend. Gerne wird hier das Thema Risiko mit einer gewissen Sorglosigkeit betrachtet. In den letzten Monaten hat sich dies deutlich gewandelt. Dies zeigt sich nicht nur in der zunehmenden Nachfrage nach Teil- und Vollschutzprodukten.
Analysten machten in der Vergangenheit mit einer gewissen Regelmässigkeit auf die Wichtigkeit des Themas aufmerksam. Sie verwiesen dann aber häufig darauf, dass das Ganze eher ein theoretisches Problem sei, weil die Wahrscheinlichkeit von Zahlungsausfällen bei Häusern wie der Deutschen Bank oder der UBS extrem gering ist. Trotzdem gewinnt das Thema nun wieder an Relevanz, da es im Zusammenhang mit der Subprime-Krise bereits einige negative Überraschungen auch bei renommierten Bankhäusern gab.
Warum ist die Emittentenbonität bei Zertifikaten überhaupt so wichtig?
Zertifikate und andere strukturierte Produkte sind rechtlich gesehen – anders als Fonds – Inhaberschuldverschreibungen der emittierenden Bank und verbriefen damit keinen Anteil an einem Sondervermögen. Die Sicherheit dieser Produkte ist somit eng mit der Finanzkraft des ausgebenden Instituts verbunden. Im Prinzip ähneln Zertifikate damit traditionellen Anleihen, wie sie beispielsweise von Industrieunternehmen begeben werden.
Bei einem Konkurs des Unternehmens besteht für den Anleger – im Gegensatz zu Fonds – das Risiko eines Totalverlusts.
Die Ausfallwahrscheinlichkeit des Emittenten wird durch unabhängige Rating-Agenturen wie Standard & Poor’s (S&P), Moody’s oder Fitch regelmässig überprüft und durch ein Rating ausgedrückt.
siehe Rating Code
Somit kann der Investor mit der Wahl des Ratings selbst bestimmen, wie viel Bonitätsrisiko er zu tragen bereit ist. Das Ausfallrisiko schlägt sich bei Anleihen darüber hinaus auch im Kurs nieder: Die Anleihe eines risikoreichen Emittenten wird günstiger zu erwerben sein, als die eines qualitativ höherwertigen Konkurrenten.
Bei Zertifikaten und strukturierten Produkten ist dies allerdings nicht immer der Fall. Hier fließt die Bonität oft nicht unmittelbar in den Kaufpreis des Anlageproduktes ein und versetzt den Anleger in die angenehme Lage, ein Produkt zum gleichen Preis bei einem ausgezeichneten, bonitätsstarken Emittenten kaufen können.